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Smart Cities – nachhaltig und wirtschaftlich?

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Wenn die Menschen morgens aufstehen, sind in der Nacht mit günstigem Ökostrom Waschmaschine und Spülmaschine gelaufen. Die Geräte werden durch ein Smart-Grid-System gesteuert, das den Energieverbrauch der Städte und Gemeinden mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) vorhersagt.

Ein Blick auf die Verkehrs-App zeigt, dass man heute entspannt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren kann und pünktlich ankommt. Oder man bucht über die App ein Elektroauto. Stau gibt es keinen, denn Ampelschaltungen und Straßenführung werden durch ein intelligentes Verkehrsmanagement gesteuert und passen sich in Echtzeit an Verkehrsflüsse an.

In der Dunkelheit werden smarte LED automatisch heller, sobald sich ein Mensch oder ein Fahrzeug nähert. Entfernt sich das Objekt, kehrt die Lampe in den Energiesparmodus zurück und spendet wieder weniger Licht. Den neuen Personalausweis beantragt man beim Bürgerbüro online. Ein Chatbot hilft weiter, wenn eine Frage zum Online-Antrag auftaucht. Über ein digitales Ausweisterminal können die fertigen Dokumente dann kontaktfrei jederzeit abgeholt werden.

Illusion oder Realität?

Das alles kling illusionär? Nein, wir müssen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Smart City bedeutet nicht, Technik um der Technik willen. Entscheidend ist, dass neue Technologien dazu beitragen, Energie zu sparen, Verwaltungsprozesse zu vereinfachen und öffentliche Leistungen effizienter zu erbringen – also ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden. Grüne Ideen brauchen digitale Infrastrukturen. Dann können sie nachhaltig und gleichzeitig wirtschaftlich sein.

Einzelne Kommunen zeigen, wie es im ersten Ansatz gehen kann. Zum Beispiel Haiger: Die Stadt setzt auf smarte LED-Leuchten mit Bewegungssensoren – ein Beitrag zur Energieeffizienz, der auch wirtschaftlich überzeugt. Oder Nidderau: Die Stadt hat digitale Bürgerterminals an öffentlich zugänglichen Orten installiert. Sie bieten rund um die Uhr die Möglichkeit, Anträge zu stellen. Anschließend können über ein digitales Ausweisterminal Dokumente kontaktfrei zeitunabhängig abgeholt werden – rund um die Uhr, barrierefrei und ohne Personalbindung.

Ein anderes Beispiel: Oberursel hat zusammen mit den Bürgern ein smartes Mobilitätskonzept mit einem Wissensspeicher entwickelt. Längere Fahr- oder Gehzeiten können durch die Mobilitätsberatung auf der Online-Plattform für integrierte Mobilität vermieden werden. Unterbrechungen oder gefährliche Stellen für den Fuß- und Radverkehr werden schnell beseitigt.

Verzahnung statt Insellösungen

Die Entwicklungen zeigen: Smart-City-Strategien sind so vielfältig wie die Städte und Gemeinden selbst. Während einige Kommunen bereits gezielt sektorübergreifende Konzepte umsetzen, stehen andere noch am Anfang – mit einzelnen Maßnahmen etwa im Energiemanagement oder der Verwaltungsdigitalisierung. Entscheidend ist, dass die einzelnen Handlungsfelder – Stadtplanung, Verkehr, Energie, Klimaschutz, Digitalisierung – stärker miteinander verknüpft werden. Erst durch diese Verzahnung entstehen echte Mehrwerte für Bürger, Gewerbe, Verwaltung und Umwelt.

Dabei können Fördermittel eine sinnvolle Unterstützung sein. Doch entscheidend für den Erfolg sind nicht allein Mittelzugänge, sondern klare Strategien, aktives Projektmanagement und die Bereitschaft zur interkommunalen Kooperation. Eine entscheidende Rolle wird in den Smart Cities der Zukunft KI spielen. Sie bietet die Möglichkeit, datenbasierte Prognosen zu stellen und Ressourcen effizienter zu nutzen. Das gilt für natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser und Energie genauso wie für qualifizierte Mitarbeiter in den Verwaltungen der Städte und Gemeinden.

Fazit: Nachhaltigkeit rechnet sich

Ob digitale Bürgerterminals oder intelligente Straßenbeleuchtung – viele Ideen, die einst als futuristisch galten, schaffen heute ganz konkret Mehrwerte: ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Grüne Ideen sind dort besonders gut, wo sie zusätzlich schwarze Zahlen produzieren. Smart City ist dann nicht nur Vision, sondern wirtschaftlich sinnvolle Realität.

Info

Der Autor

Dr. Ulrich Keilmann (Quelle: privat)
Dr. Ulrich Keilmann (Quelle: privat)

Dr. Ulrich Keilmann ist Abteilungsleiter der Überörtlichen Prüfung kommunaler Körperschaften und Direktor beim Hessischen Rechnungshof. In der regelmäßigen #stadtvonmorgen-Kolumne „Grüne Ideen, schwarze Zahlen“, die zuerst im #stadtvonmorgen-E-Magazin erscheint und hier zudem online veröffentlicht wird, schreibt er über finanzielle Aspekte der Transformation. Er vertritt hier seine persönliche Auffassung.

Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen berichtet er über urbane Transformationsprozesse, die Stadtgesellschaft und die internationale Perspektive der Stadt. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.